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Der Brandschutz und das Feuerlöschwesen in Ippendorf vor Gründung der Feuerwehr

1672

Am 22. Dezember 1672 wird für Bonn eine Brandordnung erlassen, die bald auch in den umliegenden Dörfern beachtet wird.

Bei Ausbruch eines Brandes wird eine Kirchenglocke geläutet und die Männer des ganzen Dorfes laufen zur Brandstelle. Nachts erfolgt die Alarmierung durch ein Horn. Mit Wagen und Schiebkarren wird das Wasser von Brunnen und aus dem Bach herangefahren. Frau­en und größere Jungen bilden eine Eimerkette bis zur nächsten Wasserstelle.

Nach dem Löschen des Feuers müssen ein paar Männer die Brandwache halten. Wer sich beim Löschen allzusehr „erhitzet und ermüdet“ hat, dem wird ein Mödchen Wein gereicht.

1801

Häuser mit Strohdächern wurden Anfang des 19. Jahrhunderts verboten. Die Leute wohn­ten in Fachwerkhäusern, die mit Stroh gedeckt waren. Aber schon zu kur­fürst­li­chen Zei­ten waren Strohdächer wegen der Brandgefahr bei der Errichtung von Neu­bau­ten ver­bo­ten. Zum Bau eines Hauses benötigte man zur französischen Zeit die Ge­neh­mi­gung der Behörde.

1818–1832

Wenn im Dorf ein Brand ausbrach, war oft alles zu spät. Frauen und Kinder bildeten dann ei­ne Eimerkette und schafften aus dem nächsten Pütz das Löschwasser für die Feu­er­wehr­leu­te heran. Holzhäuser und Scheunen brannten schließlich wie Zunder.

Um die Ausrüstung mit Feuerwehrgerätschaften war es zu Beginn der preußischen Zeit recht kläglich bestellt. 1818 waren eine Hacke und eine Leiter als Gemeindeeigentum vor­han­den. Alles andere mussten die Bewohner im Falle eines Falles selbst bereitstellen.

Viel besser sah es um diese Zeit dagegen in Kessenich aus. Hier waren schon eine Sprit­ze, zwei Brandhaken und 200 Ledereimer vorhanden . Deshalb wurde im Januar 1818 be­schlos­sen, fünf Eimer, eine Hacke und eine Leiter zum Preis von 55 Franc zu be­schaf­fen. Diese Ausrüstung ist dann auch in einer Aufstellung von 1832 aufgeführt. 

Nach und nach wurde die Ausrüstung ein wenig vervollständigt. Später waren an Ge­mein­de­in­ven­tar zur Brandbekämpfung vorhanden: Vier Brandeimer, eine Brandleiter, zwei Brandhaken, zwei Hauen, eine Schiebkarre, ein Steinhammer und ein Nachtwachthorn.

1819

Im Kottenforst brannte am 23. Mai 1819 eine Wald­flä­che an der Venne nieder. Die Ip­pen­dor­fer überlegten nicht lange und zogen zum Löschen in den Forst.

Prompt kam später auch das Lob der Königlichen Regierung zu Köln, das im Amtsblatt veröffentlicht wurde: … durch zweck­mä­ßi­ge Löscharbeiten und thätige Hülfe … welches als Anerkenntnis ihres rühm­li­chen Benehmens hierdurch öffentlich be­kannt­ge­macht wird.

Die Ippendorfer Löschmannschaft wurde 1819 von der Regierung gelobt.
Die Ippendorfer Löschmannschaft wurde 1819 von der Regierung gelobt.

Für ihren Einsatz bei den Löscharbeiten am 23. Mai 1819 im Kottenforst wurden die Ippendorfer Bürger Jo­hann Rötter, Heinrich Schlömer, Caspar Wucher, Adam Schüren, Conrad Rheindorf und Franz Schluß von der Königlichen Regierung zu Köln belobigt.

1836

Das Ippendorfer Brandkorps – der Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr – wurde 1836 von dem Zimmermann Peter Brack  geleitet. Sein Stellvertreter war der Maurer Jacob Münch. Alle männlichen Einwohner hatten ganz bestimmte Aufgaben im Ka­tas­tro­phen­fall zu erfüllen. Rohrführer war Michael Strahl, sein Stellvertreter Heinrich Michels. Zwölf Leu­te waren zum Pumpendienst eingeteilt. Leitermeister war Peter Ernst Schmitt mit fünf Ge­hil­fen. Die größte Anzahl an Leuten hatte mit 22 Mann der Hackenmeister Peter Hamscheid unter sich.

Um diese Zeit verzeichnet man in Ippendorf den ganz großen Fortschritt. Nun ist schon eine Feuerspritze vorhanden. Außerdem stehen Schlauch, Rohr, eine Leiter, zwei Hacken und sechs Löscheimer für die Feuerwehrleute bereit. Die Spritze gehört aber nicht den Ippendorfern allein. Sie wurde zusammen mit dem Nachbarort Lengsdorf gekauft, war aber in Ippendorf stationiert. Wenn es in Lengsdorf brennt, können die Ippendorfer mit der bespannten Spritze bergab rasen und den Lengsdorfern zu Hilfe eilen.

1848

Um 1848 waren die meisten Häuser in Ippendorf mit Dach­zie­geln ge­deckt, und von den 79 Gebäuden waren schon 62 feuerversichert.

1858

In der Nacht zum 1. Februar 1858 bricht im Hause des Heinrich Adeneuer in der Küm­pels­gas­se 4 ein Feuer aus. Die Scheune und die Stallungen brennen gänzlich ab, nur das Wohnhaus kann gerettet werden.

Der raschen Hilfe der Nachbarschaft hat Adeneuer es zu verdanken, dass das Feuer nicht weiter um sich greift. Zum Glück ist er schon bei der Rheinischen Provinzial Feuersozietät versichert.

1860

In den 1860er-Jahren ist in Ippendorf eine fahrbahre Feuerspritze stationiert, an deren Beschaffung auch die Ortschaft Lengsdorf finanziell beteiligt war.

1862

Am 13. März 1862 brennt die Scheune des Ortsvorstehers Franz Adam Türck völlig ab.

Dank der umsichtigen Hilfe der Löschmannschaft greift das Feuer nicht weiter um sich. Auch Türck ist feuerversichert und erhält 125 Taler Entschädigung.

1863–1888

Die ersten freiwilligen Feu­er­weh­ren in der Um­ge­bung von Ippendorf wer­den 1863 in Bonn, 1876 in Pop­pels­dorf, 1885 in En­de­nich und 1888 in Kes­se­nich ge­grün­det.

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1866

Am 17. September 1866 brennt eine Scheune des Jacob Schüren mit der darin lie­gen­den Ernte ab. Auch das nebenstehende Haus wird in Mitleidenschaft gezogen.

Was ist passiert? Spielende Kinder haben in der Scheune mit Zündhölzern gespielt und schnell greift das Feuer um sich. „Die Lösch-Compagnie von Ippendorf mit ihrer Spritze hat sich gut bewährt“, heißt es. Schüren bekommt drei Taler Entschädigung.

Bisher waren das alles noch Unglücksfälle, doch 15 Jahre später geht der Feuerteufel im Dorf um und schlägt sechsmal zu. Innerhalb von zwei Jahren werden durch Brandstiftung neun Ge­bäu­de zerstört.

1867

1867 wird die fahrbare Spritze gemeinschaftlich von Lengsdorf, Röttgen und Ippendorf benutzt. 29 Taler muss die Gemeinde Ippendorf für neue Hanfschläuche bezahlen.

1874

1874 scheinen die Lengsdorfer ihre eigene Feuerlöschspritze bekommen zu haben, denn nun werden die Kosten zur Unterhaltung der Feuerlöschgerätschaften nur noch von Ip­pen­dorf und Röttgen gemeinsam getragen.

1881

Es fängt am 11. Juli 1881 morgens um 4:00 Uhr an. Da brennen die Gebäude des Johann Wallbrück ab: Der Stall, die Scheune und der Schuppen. Das Haus der Familie wird be­schä­digt. Auch die Ställe und Scheunen des Jacob Wilz und Michael Fendel werden teil­wei­se ein Raub der Flammen. Zum Glück waren auch sie schon feuerversichert und er­hal­ten eine Entschädigung.

Beim Löschen des Brandes zeichnen sich in besonderer Weise Christian Rech, Johann Rheindorf und Joseph Braun aus. Sie verhinderten die weitere Ausdehnung des Feuers und erhalten von der Feuerversicherung eine Gratifikation in Höhe von 10 Mark, be­son­ders auch weil beim Löschen ihre Kleidung in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

1882

1882 – Am 15. Januar 1882 brennt es wieder. Da geht abends um 23:00 Uhr die Scheu­ne, der Stall und der Schuppen der Witwe Adam Steitz in Flammen auf. Wieder wird bös­wil­li­ge Brandstiftung angenommen. Hinsichtlich des Täters kann nicht das Geringste er­mit­telt wer­den. Diesmal werden 800 Mark Entschädigung ausgezahlt.

So geht es weiter. Der Bürgermeiser notiert am 2. August 1882:

„In der vergangenen Nacht hat es wieder in Ippendorf gebrannt. Eine Scheune wurde zerstört. Es dürfte wohl kaum zu bezweifeln sein, dass böswillige Brandstiftung vor­liegt, wenn auch bis jetzt Anhaltspunkte nicht vorliegen.“

Vier Monate später schlägt der Brandstifter erneut zu. Am 6. November 1882 brennt es im Anwesen der Witwe Johann Hülsmann. Die Versicherung zahlt 35 Mark Entschädigung.

Am 25. November 1882 brennt die Scheune des Jakob Kerp vollständig ab. In den Akten steht geschrieben:

Nach 8 Uhr gestern abends war der Sohn des Kerp noch mit der Laterne in der Scheu­ne gewesen und hatte das Häcksel geschnitten. Möglich ist nun, dass bei dieser Arbeit die in der Scheune sich befindliche Frucht oder Heu unbemerkt Feuer gefangen hat und letzteres erst eine Stunde später zum vollen Ausbruch gekommen ist.“

Auch Jakob Kerp war feuerversichert und bekam 403 Mark Entschädigung. Für hervorragende Löscharbeit erhielten Wolber und Braun 5 Mark Gratifikation.

1883

Auch 1883 schlägt der Brandstifter wieder zu. Am 24. März 1883 vernichtet das Feuer die Gebäude des Theodor Schurz. 643 Mark muss die Feuerversicherung berappen.

Als es dann am 28. August 1883 beim Schuster Bertram Brenner brennt, sind die Ippendorfer erleichtert, dass es nicht wieder Brandstiftung ist:

„Hinsichtlich der Entstehung des Brandes habe ich an Ort und Stelle festgestellt, dass ein unglücklicher Zufall respektive Unvorsichtigkeit das Feuer hervorgerufen hat. Bren­ner hat nämlich das mit dem Stalle unter einem Dache liegende Hühnerhäuschen, wel­ches voll Ungeziefer war, ausbrennen wollen, bei welcher Gelegenheit dann das in dem Stalle sich befindliche Heu in Brand geraten ist. Mit Hinsicht auf die Ge­ring­fü­gig­keit des zu vergütenden Schadens und weil der Brenner sonst ein or­dent­li­cher Mann ist und er durch den Verlust des nicht versicherten Hauses und Strohs ohnehin hart ge­straft ist, sollte von einer Bestrafung abgesehen werden“, meinte der Bür­ger­meis­ter.

In Ippendorf wird jedoch noch lange Zeit über den Feuerteufel gerätselt. Die Brandserie ist das Hauptthema an den Stammtischen. Und bald hat man sich auch eine Theorie zurechtgelegt, wer der Täter sein könne und welchen Nutzen er von den Bränden hat.

In Verdacht gerät ein Gastwirt. Der hat sich durch eine Äusserung bei einem der Brände nach Meinung einiger Gäste verraten, als er präzise die Gebäude nennt, die gerade in Flammen aufgehen. Das kann er aber wegen der großen Entfernung unmöglich von der Treppe der Wirtschaft aus so genau erkennen. War er vielleicht der Brandstifter?

Nach den Bränden ist seine Gaststätte schließlich auch brechend voll und er machte gute Geschäfte. Denn da löschen die Feuerwehrleute und die vielen Helfer anschließend ihren Durst.

1891

1900

Kurz vor der Jahrhundertwende muss die Ippendorfer Spritze für 51 Mark repariert wer­den. Die Ausrüstung für die noch nicht organisierte Löschmannschaft besteht im Jahre 1900 aus einer Spritze, zwei Leitern, 30 Eimern, drei Brennhaken und 60 Metern Schlauch. Jährlich werden zwei Übungen abgehalten.

Fortsetzung ▷ Ippendorf 1901

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Bonn-Ippendorf
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Quellen/Fotos/Repros: Bernhard Berzheim, Stadtarchiv Bonn, General-Anzeiger, Land­schafts­ver­band Rhein­land, FF Bonn-Ippendorf, FF Bonn-Lengdorf